Was ist eine skelettale Fehlstellung?
Von einer skelettalen Fehlstellung spricht man, wenn die Kieferknochen in der Tiefe, in der Vertikalen oder in der Breite nicht zueinander passen. Die häufigsten Formen sind:
- Klasse II: Unterkieferrücklage oder vorstehender Oberkiefer
- Klasse III: Vorstehender Unterkiefer oder zurückliegender Oberkiefer
- Vertikale Probleme: Skelettaler offener Biss und Tiefbiss
- Transversale Probleme: Schmaler Oberkiefer, Kreuzbiss
- Asymmetrien: Verschiebung des Kiefers zu einer Seite
Wie wird sie diagnostiziert?
Es werden Gesichts- und Profiluntersuchung, intraorale Untersuchung, Panoramaröntgen und Fernröntgenseitenbild sowie Messungen durchgeführt. Bei Bedarf kommt auch eine dreidimensionale Bildgebung zum Einsatz. Diese Unterlagen zeigen, von welchem Kiefer das Problem ausgeht und in welchem Ausmaß.
Behandlung im Wachstum
Da die Kiefer bei Kindern und Jugendlichen noch wachsen, lässt sich das Wachstum mit kieferorthopädischen Geräten lenken:
- Verbreiterung eines schmalen Oberkiefers durch Gaumenerweiterung
- Unterstützung der Oberkieferentwicklung mit einer Gesichtsmaske
- Korrektur einer Unterkieferrücklage mit Funktionsgeräten oder Unterkiefervorverlagerung mit Alignern
Da die Wirkung dieser Behandlungen auf die Wachstumsphase beschränkt ist, ist der Zeitpunkt wichtig.
Behandlung bei Erwachsenen
Kieferorthopädische Kamouflage
Bei leichten und mittleren skelettalen Problemen lassen sich Biss und Erscheinungsbild verbessern, indem die Neigung der Zähne angepasst wird, ohne die Lage der Kiefer zu verändern. Das ist mit Alignern oder Brackets möglich. Die Wirkung der Kamouflage auf das Gesichtsprofil ist jedoch begrenzt.
Orthognathe Chirurgie
Bei deutlichen skelettalen Abweichungen werden Kieferorthopädie und Kieferchirurgie gemeinsam geplant. Der Ablauf hat meist drei Phasen:
- Präoperative Kieferorthopädie: Einstellen der Zähne in die richtige Position auf den Kieferknochen
- Operation: Neupositionierung von Unter- und/oder Oberkiefer durch den Kieferchirurgen
- Postoperative Kieferorthopädie: Feineinstellung des Bisses und Retention
In geeigneten Fällen können die prä- und postoperativen kieferorthopädischen Phasen auch mit Alignern erfolgen. Über eine Operation entscheiden Kieferorthopädin und Kieferchirurg gemeinsam unter Berücksichtigung der Beschwerden, Erwartungen und Unterlagen der Patientin bzw. des Patienten.
