Warum ist Kieferorthopädie bei Kindern anders?
Bei Erwachsenen geht es in der Kieferorthopädie vor allem darum, die Stellung der Zähne zu verändern. Bei Kindern wachsen die Kiefer noch, sodass sich auch das Wachstum lenken lässt. Manche Probleme können daher im Kindesalter mit einfacheren Mitteln gemildert oder der Umfang einer später nötigen Behandlung verringert werden.
Andererseits muss nicht jede Unregelmäßigkeit früh behandelt werden. Bei vielen Kindern genügen regelmäßige Kontrollen, und die Behandlung wird geplant, nachdem die bleibenden Zähne durchgebrochen sind.
Phasen nach Alter
| Phase | Ungefähres Alter | Was wird beurteilt? |
|---|---|---|
| Milchgebiss | 3–6 Jahre | Gewohnheiten wie Daumenlutschen, Schnuller und Mundatmung; Kreuzbiss; früher Zahnverlust |
| Wechselgebiss | 6–12 Jahre | Platzmangel, schmaler Gaumen, Kreuzbiss, vorstehende Frontzähne, Unterschiede in der Kieferentwicklung |
| Bleibendes Gebiss | Ab 12 Jahren | Engstand, Lücken, Bissprobleme, verlagerte Zähne |
Anzeichen, die Sie zu Hause bemerken können
- Milchzähne fallen sehr früh oder sehr spät aus
- Schwierigkeiten beim Kauen oder Abbeißen
- Schlafen mit offenem Mund, Schnarchen oder ständige Mundatmung
- Daumenlutschen oder Schnuller über das 4.–5. Lebensjahr hinaus
- Frontzähne berühren sich bei geschlossenem Mund nicht
- Untere Frontzähne schließen vor den oberen
- Deutlich vorstehende obere Frontzähne
- Der Unterkiefer gleitet beim Zubeißen zur Seite
- Zähne brechen sehr eng durch oder bleibende Zähne erscheinen hinter den Milchzähnen
Wenn Ihnen eines dieser Zeichen auffällt, kann ein Termin zur kieferorthopädischen Untersuchung sinnvoll sein.
Eingesetzte Methoden
Herausnehmbare Geräte
Aus Kunststoff und Drähten bestehende Geräte, die herausgenommen werden können. Sie eignen sich für einfache Zahnbewegungen und kleine Erweiterungen. Ihre Wirkung hängt davon ab, wie lange das Kind sie trägt.
Funktionskieferorthopädische Geräte
Liegt der Unterkiefer zurück, sollen sie seine Entwicklung unterstützen, indem sie ihn im Wachstum nach vorn positionieren. Der richtige Zeitpunkt ist meist der Wachstumsschub.
Geräte zur Gaumennahterweiterung
Bei schmalem Oberkiefer erweitern sie ihn, indem sie die Gaumennaht öffnen. Einzelheiten finden Sie auf der Seite zur Gaumennahterweiterung.
Gesichtsmaske
Liegt der Oberkiefer zurück, wird sie in jungen Jahren eingesetzt, um seine Entwicklung nach vorn zu unterstützen.
Lückenhalter
Geht ein Milchzahn früh verloren, halten sie die Lücke offen, bis der bleibende Zahn durchbricht.
Aligner
In geeigneten Fällen können Aligner-Protokolle wie Invisalign First im Wechselgebiss und Invisalign Teen im Jugendalter eingesetzt werden.
Brackets (festsitzende Behandlung)
Werden nach dem Durchbruch der bleibenden Zähne zur detaillierten Ausrichtung eingesetzt.
Gewohnheiten und Kieferorthopädie
Gewohnheiten wie Daumenlutschen, Schnuller, Zungenpressen und Mundatmung können bei längerem Bestehen die Entwicklung von Zähnen und Kiefern beeinflussen; ein offener Biss und ein schmaler Gaumen können damit zusammenhängen. Das Abgewöhnen ist oft der erste Behandlungsschritt. Bei Kindern mit Mundatmung kann zudem eine HNO-ärztliche Untersuchung nötig sein.
Tipps für Eltern
- Planen Sie die erste kieferorthopädische Kontrolle mit etwa 7 Jahren.
- Behalten Sie die Tragezeit von Gerät oder Schienen im Blick; ein Tagesplan kann helfen.
- Helfen Sie Kindern mit Geräten abends beim Zähneputzen.
- Erklären Sie Ihrem Kind, warum klebrige und harte Speisen gemieden werden sollten.
- Wenn ein Gerät bricht, drückt oder Schmerzen verursacht, wenden Sie sich an die Praxis, statt selbst einzugreifen.
