Was ist eine kieferorthopädische Frühbehandlung?
Die Frühbehandlung (Phase 1, interzeptive Behandlung) ist eine begrenzte Behandlung in der Zeit, in der Milch- und bleibende Zähne gemeinsam vorhanden sind, und nutzt das Wachstumspotenzial der Kiefer. Ziel ist es, Probleme zu verhindern oder abzumildern, die später komplexer werden könnten, Platz für die bleibenden Zähne zu schaffen und die Zähne vor Verletzungen zu schützen.
Warum wird die erste kieferorthopädische Kontrolle mit etwa 7 Jahren empfohlen?
In diesem Alter sind die ersten bleibenden Backenzähne und die Schneidezähne durchgebrochen. Die Kieferorthopädin bzw. der Kieferorthopäde kann Bisslage, Platzverhältnisse und Kieferentwicklung beurteilen und Probleme früh erkennen. Eine erste Kontrolle bedeutet nicht, dass sofort behandelt wird. Bei den meisten Kindern wird nur eine Beobachtung alle 6–12 Monate empfohlen, und die Behandlung erfolgt zum passenden Zeitpunkt.
Wann kommt eine Frühbehandlung infrage?
- Kreuzbiss: Vor allem, wenn er den Unterkiefer zu einer Seite verschiebt
- Vorstehender Unterkiefer und Neigung zu einem zurückliegenden Oberkiefer
- Ausgeprägter Engstand: Kein Platz für den Durchbruch der bleibenden Zähne
- Deutlich vorstehende obere Frontzähne: Bruchgefahr bei Stürzen und Stößen
- Offener Biss durch Gewohnheiten: Daumenlutschen, Zungenpressen
- Früher Verlust von Milchzähnen: Bedarf an einem Platzhalter, um Platzverlust zu vermeiden
- Zähne, die nicht oder in falscher Richtung durchbrechen
Methoden der Frühbehandlung
- Geräte zur Gaumennahterweiterung
- Funktionskieferorthopädische Geräte
- Gesichtsmaske
- Platzhalter
- Geräte zum Abgewöhnen von Habits
- Aligner für das Wechselgebiss (Invisalign First)
- Brackets an einer begrenzten Anzahl von Zähnen
Möglicher Nutzen und Grenzen der Frühbehandlung
| Möglicher Nutzen | Grenzen |
|---|---|
| Abmildern mancher skelettaler Probleme durch Wachstumslenkung | Nicht bei jedem Problem bringt eine Frühbehandlung zusätzlichen Nutzen |
| Platz für die bleibenden Zähne schaffen | Nach Durchbruch der bleibenden Zähne kann eine zweite Phase nötig sein |
| Geringeres Verletzungsrisiko bei vorstehenden Zähnen | Die Mitarbeit des Kindes beeinflusst das Ergebnis stark |
| Unterstützung beim Abgewöhnen von Habits | Die Gesamtbehandlungszeit kann länger werden |
Deshalb wird bei der Entscheidung über eine Frühbehandlung der erwartete Nutzen gegen die Belastung für Kind und Familie abgewogen.
Was passiert nach Phase 1?
Nach Abschluss von Phase 1 wird das Ergebnis bei Bedarf mit einem Gerät gehalten und der Durchbruch der bleibenden Zähne beobachtet. Ist das bleibende Gebiss vollständig, wird geprüft, ob eine zweite Phase (Phase 2) zur Feineinstellung der Zahnstellung nötig ist.
