Warum wird der Gaumen erweitert?
Ist der Oberkiefer im Verhältnis zum Unterkiefer zu schmal, können die oberen Seitenzähne innerhalb der unteren beißen (Kreuzbiss), die Zähne eng stehen und beim Lächeln seitlich dunkle Räume sichtbar sein. Indem sie den Oberkiefer verbreitert, kann die Gaumenerweiterung helfen,
- einen Kreuzbiss zu korrigieren,
- Platz für eng stehende Zähne zu gewinnen,
- ein seitliches Abgleiten des Unterkiefers beim Zubeißen zu verhindern,
- Platz für Zähne zu schaffen, die zur Verlagerung neigen (z. B. Eckzähne).
Das gilt für die oben genannten Situationen.
Wie funktioniert die Gaumennahterweiterung?
In der Mitte des Gaumens verbindet eine Naht (Sutur) die beiden Knochenhälften. Bei Kindern und Jugendlichen ist diese Naht noch nicht vollständig verknöchert. Das Gerät wird an den oberen Backenzähnen befestigt, und die Schraube in der Mitte wird nach dem festgelegten Schema mit einem speziellen Schlüssel gedreht. Während sich die Schraube öffnet, weicht die Naht langsam auseinander, und der Spalt füllt sich nach und nach mit neuem Knochen.
Eine vorübergehende Lücke zwischen den beiden oberen Frontzähnen während der Erweiterung ist normal; sie schließt sich meist von selbst oder in einer späteren Behandlungsphase.
Phasen der Erweiterung
- Unterlagen und Geräteherstellung: Untersuchung, Röntgen und Abdruck oder intraoraler Scan
- Einsetzen des Geräts: Es wird an den Backenzähnen zementiert; das Drehen der Schraube wird gezeigt
- Aktive Erweiterung: Meist 2–4 Wochen; die Schraube wird ein- bis zweimal täglich gedreht
- Wartephase (Retention): Das Gerät bleibt meist 3–6 Monate im Mund, damit sich die geöffnete Naht mit Knochen füllt
- Nächste Phase: Bei Bedarf Ausrichtung der Zähne mit Alignern oder Brackets
In welchem Alter sollte sie erfolgen?
Die Gaumennaht lässt sich im Wachstum leichter öffnen. Deshalb liefert die skelettale Gaumenerweiterung in Kindheit und früher Pubertät meist vorhersehbarere Ergebnisse. Mit dem Alter verknöchert die Naht, und eine skelettale Erweiterung mit einem Gerät wird schwieriger.
| Phase | Häufiger Ansatz |
|---|---|
| Kindheit und frühe Pubertät | Gaumennahterweiterungsgerät; in geeigneten Fällen Bogenerweiterung mit Alignern |
| Späte Pubertät und junges Erwachsenenalter | Minischraubengestützte Erweiterung (MARPE) kann erwogen werden |
| Erwachsenenalter | Minischrauben- oder chirurgisch unterstützte Erweiterung; Aligner bei zahnbedingter Enge |
Ist eine Erweiterung mit Alignern möglich?
Aligner können den Zahnbogen erweitern, also durch Bewegen der Zähne nach außen Platz gewinnen. Die mit Alignern erzielte Erweiterung ist jedoch überwiegend dental und keine skelettale Erweiterung durch Öffnen der Gaumennaht. Bei leichter bis mittlerer Enge und geeignetem Knochen kann die Erweiterung mit Alignern vorzuziehen sein. Bei Kindern kann dafür Invisalign First eingesetzt werden.
Alltag mit dem Gerät
- In den ersten Tagen können sich Sprache, Speichelfluss und ein Druckgefühl am Gaumen verändern; die meisten Kinder gewöhnen sich innerhalb weniger Tage daran.
- Nach dem Drehen der Schraube kann kurz eine Spannung an der Nasenwurzel und an den Zähnen spürbar sein.
- Speisereste können sich zwischen Gerät und Gaumen sammeln; nach dem Essen mit Wasser spülen und sorgfältig putzen.
- Harte und klebrige Speisen (Bonbons, Kaugummi, Karamell) können das Gerät lockern.
- Lockert oder bricht das Gerät oder entsteht eine Wunde am Gaumen, die Klinik kontaktieren.
Wovon hängen die Kosten eines Erweiterungsgeräts ab?
Die Kosten hängen von Faktoren wie der Geräteart (festsitzend, herausnehmbar, minischraubengestützt), den nötigen Unterlagen vor der Behandlung, der Behandlungsdauer und davon ab, ob nach der Erweiterung eine weitere kieferorthopädische Behandlung nötig ist. Individuelle Angaben sind daher erst nach Untersuchung und Auswertung der Unterlagen möglich. Einzelheiten auf der Seite Faktoren für die Kosten der Kieferorthopädie.
