Ist eine chronische Erkrankung ein Hindernis für die Kieferorthopädie?
Eine chronische Erkrankung oder die regelmäßige Einnahme von Medikamenten bedeutet in den meisten Fällen nicht, dass keine kieferorthopädische Behandlung möglich ist. Manche Erkrankungen und Medikamente können jedoch die Zahnfleischgesundheit, den Knochenumbau und die Heilung beeinflussen. Deshalb berücksichtigt Ihre Kieferorthopädin bzw. Ihr Kieferorthopäde bei der Planung Ihren allgemeinen Gesundheitszustand und bittet Sie bei Bedarf, Kontakt mit Ihrer behandelnden Ärztin bzw. Ihrem behandelnden Arzt aufzunehmen. Diese Seite bietet allgemeine Informationen; Entscheidungen über Diagnose und Medikamente trifft Ihre zuständige Ärztin bzw. Ihr zuständiger Arzt.
Was Ihre Kieferorthopädin bzw. Ihr Kieferorthopäde wissen sollte
Bei der ersten Untersuchung werden Fragen zu Ihrer Krankengeschichte gestellt. Wenn Sie die folgenden Informationen vollständig mitteilen, hilft das bei einer sicheren Planung:
- diagnostizierte chronische Erkrankungen und seit wann Sie in Behandlung sind
- alle regelmäßig eingenommenen Medikamente, einschließlich früher eingenommener und abgesetzter Knochenmedikamente
- pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel
- Allergien (z. B. gegen Nickel oder Latex)
- frühere Operationen und Behandlungen am Knochen
- Angaben zu den Ärztinnen und Ärzten, die Sie betreuen
Was bei der Untersuchung besprochen wird, erfahren Sie auf der Seite erste kieferorthopädische Untersuchung; zur Vorbereitung hilft die Fragenliste für die Untersuchung.
Diabetes
Diabetes kann, besonders wenn der Blutzucker nicht gut eingestellt ist, die Anfälligkeit für Zahnfleischerkrankungen erhöhen und die Wundheilung verlangsamen. Während der kieferorthopädischen Behandlung kann die Zahnfleischgesundheit engmaschiger beobachtet werden. Allgemein gilt:
- Es ist wichtig, in regelmäßigem Kontakt mit der Ärztin bzw. dem Arzt zu bleiben, die bzw. der Ihren Diabetes betreut.
- Damit eine Zahnfleischentzündung früh erkannt wird, wird eine sorgfältige Mundhygiene und regelmäßige Teilnahme an den Kontrollen empfohlen.
- Teilen Sie Mundtrockenheit mit; sie kann das Kariesrisiko beeinflussen.
- Bei längeren Terminen kann der Termin unter Berücksichtigung Ihrer Mahlzeiten und Ihrer Blutzuckerregulierung geplant werden.
Osteoporose und Knochenmedikamente
Die kieferorthopädische Zahnbewegung beruht auf dem Umbau des Knochens. Manche Medikamente zur Behandlung der Osteoporose (z. B. aus der Gruppe der Bisphosphonate) können den Auf- und Abbau des Knochens beeinflussen. Das kann die Zahnbewegung verlangsamen oder bei manchen Maßnahmen zusätzliche Vorsicht erfordern. Deshalb:
- Teilen Sie mit, welche Knochenmedikamente Sie einnehmen oder früher eingenommen haben, in welcher Form (als Tablette oder Infusion) und wie lange.
- Sind chirurgische Maßnahmen wie Zahnentfernungen oder Minischrauben geplant, kann eine Abstimmung mit der zuständigen Ärztin bzw. dem zuständigen Arzt erfolgen.
- Setzen Sie Ihr Medikament wegen der Kieferorthopädie nicht eigenmächtig ab und ändern Sie es nicht; diese Entscheidung trifft allein die verordnende Ärztin bzw. der verordnende Arzt.
Blutverdünnende Medikamente
Bei Personen, die Blutverdünner einnehmen, verursachen die üblichen Schritte der kieferorthopädischen Behandlung (wie das Kleben von Brackets, Bogenwechsel oder die Übergabe von Alignern) in der Regel keine Blutung. Sind jedoch Zahnentfernungen, Minischrauben oder Eingriffe am Zahnfleisch geplant, wird das Blutungsrisiko beurteilt. In diesem Fall kann Ihre Kieferorthopädin bzw. Ihr Kieferorthopäde Sie bitten, Kontakt mit der Ärztin bzw. dem Arzt aufzunehmen, die bzw. der Ihr Medikament verordnet. Setzen Sie Ihr Medikament nicht selbst ab; über Dosis und Einnahme entscheidet allein Ihre zuständige Ärztin bzw. Ihr zuständiger Arzt. Informationen zu Minischrauben finden Sie im Beitrag Was ist eine kieferorthopädische Minischraube?
Weitere Themen bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme
- Mundtrockenheit: Manche Medikamente können den Speichelfluss verringern. Weniger Speichel kann das Risiko für Karies und Zahnfleischprobleme erhöhen; für Alignerträgerinnen und -träger werden Wassertrinken und Mundhygiene noch wichtiger.
- Zahnfleischwucherung: Manche Medikamente können eine Vergrößerung des Zahnfleisches verursachen; das kann die Reinigung um die Brackets erschweren.
- Behandlungen, die das Immunsystem beeinflussen: Im Hinblick auf Heilung und Infektionsrisiko kann eine Abstimmung mit der zuständigen Ärztin bzw. dem zuständigen Arzt nötig sein.
Worauf während der Behandlung zu achten ist
Ändert sich während der Behandlung Ihr Gesundheitszustand, beginnen Sie ein neues Medikament oder ändert sich die Dosis eines bestehenden Medikaments, teilen Sie dies Ihrer Kieferorthopädin bzw. Ihrem Kieferorthopäden mit. Auch ein Krankenhausaufenthalt, eine Operation oder eine neue Diagnose gehören zu den Informationen, die den Plan beeinflussen können. Bemerken Sie Zahnfleischbluten, Schwellungen, lange nicht heilende Wunden oder eine unerwartete Lockerung von Zähnen, wenden Sie sich an die Praxis, ohne den Kontrolltermin abzuwarten. Für Alignerträgerinnen und -träger ist die regelmäßige Reinigung von Alignern und Zähnen bei Mundtrockenheit oder empfindlichem Zahnfleisch besonders wichtig; siehe Ratgeber zu Tragen und Pflege.
Abstimmung mit der zuständigen Ärztin bzw. dem zuständigen Arzt
Ihre Kieferorthopädin bzw. Ihr Kieferorthopäde kann bei Bedarf Informationen oder eine Einschätzung von der Ärztin bzw. dem Arzt einholen, die bzw. der Sie betreut. Dies ist ein üblicher Schritt für eine sichere Behandlungsplanung. Um die Abstimmung zu erleichtern, können Sie Ihre Medikamentenliste und gegebenenfalls aktuelle Laborwerte oder Befunde zur Untersuchung mitbringen. Wichtig ist auch, Ihre allgemeine Mundgesundheit vor der Behandlung beurteilen zu lassen; siehe Vorbereitung auf die Kieferorthopädie. Zu kieferorthopädischen Möglichkeiten für Erwachsene siehe auch die Seite Kieferorthopädie ohne Brackets für Erwachsene.
Häufige Fragen
Ich habe Diabetes. Kann ich Aligner tragen?
In den meisten Fällen kann eine kieferorthopädische Behandlung geplant werden, wenn die Erkrankung regelmäßig kontrolliert wird und das Zahnfleisch gesund ist. Ob sie geeignet ist, beurteilt Ihre Kieferorthopädin bzw. Ihr Kieferorthopäde nach der Untersuchung.
Ich nehme ein Osteoporose-Medikament. Bewegen sich meine Zähne trotzdem?
Manche Knochenmedikamente können die Zahnbewegung verlangsamen. Wichtig sind Art des Medikaments und Dauer der Einnahme; wenn Sie diese Informationen mitteilen, berücksichtigt Ihre Kieferorthopädin bzw. Ihr Kieferorthopäde sie bei der Planung.
Ich nehme Blutverdünner. Soll ich das Medikament pausieren?
Nein, pausieren Sie es nicht eigenmächtig. Routinemäßige kieferorthopädische Maßnahmen verursachen meist keine Blutung; ist ein chirurgischer Eingriff geplant, wird gemeinsam mit der Ärztin bzw. dem Arzt entschieden, die bzw. der Ihr Medikament verordnet.
Bei Fragen erreichen Sie uns unter 0312 911 60 36 oder über das Formular auf der Kontaktseite.
Diese Seite dient der allgemeinen Information; Diagnose und Behandlungsplan werden nach der Untersuchung und Beurteilung durch Ihre Kieferorthopädin bzw. Ihren Kieferorthopäden festgelegt.


