Was ist ein zurückliegender Oberkiefer?
Ein zurückliegender Oberkiefer (maxilläre Retrusion oder Hypoplasie) bedeutet, dass sich der Oberkiefer nicht weit genug nach vorn entwickelt hat. Kieferorthopädisch tritt er meist zusammen mit einem „Klasse-III“-Biss auf. Von außen kann es so aussehen, als stünde der Unterkiefer vor; die Ursache liegt aber nicht in der Größe des Unterkiefers, sondern im zurückbleibenden Oberkiefer. Diese Unterscheidung beeinflusst die Behandlungswahl direkt.
Anzeichen
- Untere Frontzähne beißen vor die oberen (frontaler Kreuzbiss)
- Flaches oder eingesunkenes Aussehen um Wangen und Nasenflügel
- Konkaves Gesichtsprofil
- Engstand der oberen Zähne und Eckzähne mit Neigung zur Verlagerung
- Eine dünn und zurückversetzt wirkende Oberlippe
Ursachen
- Erbliche Faktoren; ähnliche Gesichtsform in der Familie
- Schmaler Oberkiefer und Gaumen
- Mundatmung und Probleme der oberen Atemwege
- Angeborene Fehlbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte
- Früher Verlust von Milchzähnen
Vorverlagerung des Oberkiefers im Wachstum
Gesichtsmaske (Delaire-Maske)
Gummizüge zwischen einem an Stirn und Kinn anliegenden Rahmen und einem Gerät im Mund üben eine nach vorn gerichtete Kraft auf den Oberkiefer aus. Ziel ist es, das Vorwachsen des Oberkiefers zu unterstützen. Die Maske wird meist zu Hause und nachts für eine bestimmte Stundenzahl pro Tag getragen. Die Wirkung ist im frühen Alter (meist 6–10 Jahre) am deutlichsten.
Kombination mit Gaumennahterweiterung
Die Gesichtsmaske wird oft mit einem Gerät zur Gaumennahterweiterung kombiniert. Die Erweiterung kann durch Mobilisierung der Suturen um den Oberkiefer die Vorverlagerung unterstützen und korrigiert zugleich einen schmalen Gaumen.
Knochenverankerte Methoden (Minischrauben)
Bei älteren Kindern können an Minischrauben oder Miniplatten verankerte Gummizüge eingesetzt werden, damit die Kraft direkt auf den Knochen wirkt. Ob diese Methoden geeignet sind, wird nach Alter und Fall beurteilt.
Nachkontrolle nach der Behandlung
Da ein zurückliegender Oberkiefer häufig mit einer Wachstumsneigung des Unterkiefers einhergeht, sind nach der Frühbehandlung regelmäßige Kontrollen bis zum Wachstumsende wichtig. Manche Kinder brauchen in der Pubertät eine weitere Behandlung.
Möglichkeiten für Erwachsene
Bei abgeschlossenem Wachstum lässt sich das Oberkieferwachstum nicht mehr lenken. In leichten und mittleren Fällen kann der Biss durch Anpassen der Zahnstellung verbessert werden (kieferorthopädische Kompensation), mit Alignern oder Brackets. Bei deutlicher skelettaler Rücklage wird eine chirurgische Vorverlagerung des Oberkiefers erwogen. Einzelheiten auf der Seite skelettale Fehlstellungen.
