Kinderzahnheilkunde

Wie wirken sich Daumenlutschen und Schnuller auf die Zahnstellung aus? Wie gewöhnt man es ab?

Wie wirken sich Daumenlutschen und Schnuller auf die Zahnstellung aus? Wie gewöhnt man es ab?

Kurze Antwort: Daumenlutschen und Schnuller sind im Säuglingsalter ein natürlicher Reflex und lassen bei den meisten Kindern von selbst nach. Hält die Gewohnheit bis in die späte Milchgebissphase, also bis zum Alter, in dem die bleibenden Frontzähne durchbrechen, an, können sich die oberen Frontzähne nach vorn neigen, Lücken zwischen den Frontzähnen entstehen und der Gaumen verengen. Das Ausmaß hängt von Dauer, täglicher Häufigkeit und Intensität des Saugens ab und wird ärztlich beurteilt.

Warum gibt es diese Gewohnheiten?

Der Saugreflex beginnt schon im Mutterleib. Babys beruhigen sich auch außerhalb des Hungers durch Saugen; Daumen oder Schnuller geben dem Kind vor dem Schlafen, bei Müdigkeit und in Momenten der Langeweile Sicherheit. Deshalb ist die Gewohnheit selbst kein „Problem“, sondern ein normaler Teil der Entwicklung. Entscheidend ist, wie lange und wie intensiv sie anhält.

Mögliche Auswirkungen auf Zahnstellung und Kiefer

Daumen oder Schnuller üben wiederholt eine leichte Kraft auf Zähne und Gaumen aus; auch Wangen und Zunge verändern das Gleichgewicht. Bei lange anhaltenden Gewohnheiten können folgende Veränderungen auftreten:

  • Offener Biss: Bei geschlossenem Mund bleibt zwischen den Frontzähnen eine senkrechte Lücke. Einzelheiten finden Sie auf unserer Seite offener Biss.
  • Nach vorn geneigte obere Frontzähne: Die oberen Schneidezähne kippen nach vorn, die unteren können zurückbleiben.
  • Gaumenverengung und Kreuzbiss: Beim Saugen können die Wangenmuskeln den Oberkiefer von außen zusammendrücken, was zu einem Kreuzbiss im Seitenzahnbereich führen kann.
  • Veränderte Zungenposition: In die offene Lücke kann sich die Zunge legen; dies kann zusammen mit Zungenpressen auftreten.

Ein Teil dieser im Milchgebiss entstandenen Veränderungen kann sich nach dem Abgewöhnen mit der Zeit von selbst zurückbilden. Hält die Gewohnheit an, nachdem die bleibenden Zähne durchgebrochen sind, kann in den meisten Fällen kieferorthopädische Unterstützung nötig sein.

Ab welchem Alter sollte man aufmerksam sein?

  • Saugen bis zum Alter von zwei bis drei Jahren wird in der Regel beobachtet.
  • Besteht es nach dem vierten Lebensjahr tagsüber und intensiv weiter, ist eine ärztliche Beratung angebracht.
  • Wenn die bleibenden Frontzähne durchbrechen (meist um das sechste bis siebte Lebensjahr), kann ein Fortbestehen der Gewohnheit die Wirkung auf die Zähne verstärken.
  • Auch beim Schnuller gilt ein ähnliches Vorgehen; selbst als „kieferorthopädisch“ bezeichnete Schnuller können die Zähne beeinflussen, wenn sie lange genutzt werden.

Wie gewöhnt sich das Kind die Gewohnheit ab?

Der größte Erschwernisfaktor beim Abgewöhnen ist Druck. Schimpfen oder Beschämen verlagert die Gewohnheit häufig nur in heimliche Zeiten. Die folgenden Schritte führen in der Regel zu besseren Ergebnissen:

  • Den Grund verstehen: Steht die Gewohnheit für ein Gefühl wie Kummer, Schlafmangel oder Eifersucht auf Geschwister, kümmern Sie sich zuerst darum.
  • Positiv verstärken: Markieren Sie Tage ohne Daumen oder Schnuller in einem Plan und feiern Sie sie mit einer kleinen, altersgerechten Geste.
  • Die Hände beschäftigen: Bieten Sie vor dem Schlafen alternative Beruhigungswege wie ein Buch, ein Kuscheltier oder eine Massage an.
  • Schrittweise vorgehen: Den Schnuller zuerst tagsüber, dann im Schlaf zu reduzieren, belastet das Kind weniger.
  • Das Kind einbeziehen: Ältere Kinder sind motivierter, wenn sie spüren, dass die Entscheidung bei ihnen liegt.

Hält die Gewohnheit trotz dieser Methoden an und zeigen sich Auswirkungen an den Zähnen, kann die Ärztin oder der Arzt je nach Alter und Mitarbeit des Kindes eine Apparatur zur Gewohnheitsabgewöhnung empfehlen. Diese Apparaturen sollten dem Kind nicht als Strafe, sondern als Erinnerungshilfe erklärt werden. Zum allgemeinen Vorgehen bei Kindern lesen Sie bitte die Seiten Kieferorthopädie bei Kindern und frühe kieferorthopädische Behandlung.

Was wird bei der Untersuchung beurteilt?

Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach Art und täglicher Häufigkeit der Gewohnheit und danach, seit wann sie besteht. Anschließend werden Stellung der Frontzähne, eine mögliche Lücke im Frontbereich bei geschlossenem Mund, Gaumenbreite und Biss der hinteren Zähne betrachtet. Bei Bedarf wird die Kieferentwicklung zusätzlich mit Röntgenbildern und Messungen beurteilt. Ziel ist nicht nur, die „Gewohnheit abzugewöhnen“, sondern den aktuellen Zustand von Zähnen und Kiefer richtig einzuordnen.

Alltagstipps für Eltern

  • Ziehen Sie den Finger des Kindes nicht aus dem Mund, sondern bieten Sie eine Aktivität an, bei der die Hände nicht frei bleiben.
  • Gestalten Sie die Schlafroutine beruhigend; beim Einschlafen ohne Schnuller können Rituale wie Licht, Musik und Märchen helfen.
  • Wenn alle im Haushalt dieselbe Haltung zeigen, wird das Kind nicht verwirrt.
  • Rückschritte nach dem Abgewöhnen sind normal; bleiben Sie geduldig und erhöhen Sie den Druck nicht.
  • Zahnärztliche Kontrollen helfen, die Entwicklung des Kindes zu beobachten; versäumen Sie sie deshalb nicht.

Wie funktioniert eine Apparatur zur Gewohnheitsabgewöhnung?

Diese Apparaturen werden meist an den oberen Zähnen befestigt und erschweren die unwillkürliche Platzierung von Daumen oder Zunge. Sie werden unter Berücksichtigung von Alter, Mitarbeit und den bereits vorhandenen Veränderungen an den Zähnen ausgewählt. Nach dem Einsetzen gewöhnt man sich innerhalb weniger Tage wieder an Sprechen und Essen. Die Apparatur ist keine Lösung für sich allein, sondern eine Unterstützung, die zusammen mit der Motivation des Kindes eingesetzt wird; deshalb bestimmen die Unterstützung der Familie und regelmäßige Kontrollen den Verlauf.

Kurz beantwortet

Verändern sich bei jedem Kind, das am Daumen lutscht, die Zähne?

Nein. Die Wirkung hängt von Dauer und täglicher Häufigkeit der Gewohnheit und von der Kieferstruktur des Kindes ab. Bei kurzen und leichten Gewohnheiten ist es weniger wahrscheinlich, dass bleibende Spuren entstehen.

Ist der Schnuller besser als der Daumen?

Den Schnuller abzugewöhnen ist oft leichter, da man ihn wegnehmen kann. Bei langer und intensiver Nutzung können jedoch beide die Zähne ähnlich beeinflussen.

Richten sich die Zähne nach dem Abgewöhnen von selbst wieder aus?

Wird die Gewohnheit im Milchgebiss beendet, bilden sich manche Veränderungen zurück. Ist an den bleibenden Zähnen ein dauerhafter Zustand entstanden, sind eine Beurteilung und bei Bedarf eine kieferorthopädische Behandlung nötig.

Wie finden Sie heraus, was für Sie passt?

Die Angaben hier sind allgemeiner Natur; der für Ihr Kind richtige Plan wird durch Untersuchung und ärztliche Beurteilung festgelegt. In unserer Praxis in Oran, Ankara Çankaya, besprechen wir Ihre Fragen gemeinsam bei der kieferorthopädischen Erstuntersuchung.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information; für Diagnose und Behandlungsentscheidung ist eine Untersuchung nötig. Dieser Artikel wurde aus dem Türkischen übersetzt.

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