Stehen Ihre oberen Zähne weit vor, oder steht Ihr Unterkiefer vorne? Im Englischen heißen diese beiden Situationen häufig Overbite und Underbite. Im Deutschen begegnen Ihnen Begriffe wie Tiefbiss, Überbiss, vorstehender Oberkiefer oder vorstehender Unterkiefer. Invisalign hilft bei einem Teil davon, bei einem Teil reicht es allein nicht aus. Diese Seite erklärt, was im Plan angestrebt wird und wo die Grenze beginnt.
Trennen wir die beiden Situationen
Beim Overbite überdecken die oberen Frontzähne bei geschlossenem Mund die unteren Frontzähne zu stark. Die unteren Zähne sind fast nicht zu sehen. Der Underbite ist das Gegenteil: Die unteren Frontzähne stehen vor den oberen Zähnen. Der Unterkiefer weist nach vorn.
Dasselbe Erscheinungsbild kann zwei verschiedene Ursachen haben. Im einen Fall liegt das Problem in der Stellung der Zähne. Im anderen sind Länge oder Lage der Kieferknochen anders. Diese Unterscheidung treffen Untersuchung und Röntgenbild. Den allgemeinen Rahmen finden Sie auf der Seite Biss der Klassen I, II und III.
Wenn Sie das Thema aus der allgemeinen Aligner-Sicht lesen möchten, schauen Sie in den Beitrag zur Kieferfehlstellung.
Wie zeigt der ClinCheck das Ziel?
Ihre Zähne werden mit dem iTero gescannt, danach wird der ClinCheck-Plan erstellt. Auf dem Planbildschirm verfolgen Sie die Bissbeziehung zwischen oberen und unteren Zähnen von Anfang bis Ende. Beim Tiefbiss sehen Sie, wie sich die Überlappung von unteren und oberen Frontzähnen Schritt für Schritt verringert. Wenn der Unterkiefer vorne steht, werden die Stellung der Frontzähne und der Biss der Seitenzähne gemeinsam verfolgt.
Die Ärztin oder der Arzt zeigt Ihnen das Ziel so: Ausgangs- und Endbiss nebeneinander, die Schritte dazwischen wie in einem Film. Dieser Bildschirm ist kein Versprechen, sondern ein Plan. Bewegen sich die Zähne nicht wie erwartet, wird der Plan während der Behandlung angepasst.
Was leistet der Aligner beim Tiefbiss?
Ein Tiefbiss entsteht bei vielen Menschen dadurch, dass die Frontzähne mit ihrer Länge den Biss überdecken oder dass die Seitenzähne nicht hoch genug stehen. In diesem Fall kann der Plan zum Ziel haben, die Frontzähne einzuordnen und die Höhe der Seitenzähne auszugleichen. Diese Bewegung wird durch die Kauflächen der Aligner und durch Attachments unterstützt. Einzelheiten dazu liefert die Seite Behandlung des Tiefbisses.
Leichte und mittlere dentale Tiefbisse lassen sich oft mit Alignern behandeln. Entschieden wird nach der ärztlichen Beurteilung.
Was passiert, wenn der Unterkiefer vorne steht?
Bei einem dentalen, leichten umgekehrten Biss lassen sich die Frontzähne mit dem Aligner nach hinten und nach vorn einordnen. Bei skelettalen Situationen, in denen die Länge des Kieferknochens den Unterschied macht, reicht es dagegen möglicherweise nicht, nur die Zähne zu bewegen. Dann bespricht die Ärztin oder der Arzt zusätzliche Methoden. Bei Jugendlichen im Wachstum wird manchmal eine zusätzliche Apparatur verwendet. Bei Erwachsenen mit deutlichem skelettalem Unterschied kann eine Kieferchirurgie in Betracht gezogen werden. Das ist keine Vorliebe, sondern eine Option, die sich aus der Untersuchung ergibt, und sie ist nicht für jede Patientin und jeden Patienten nötig.
Was ist in welcher Situation zu erwarten?
| Situation | Aussicht, mit Alignern behandelt zu werden | Worauf die Ärztin oder der Arzt achtet |
|---|---|---|
| Leichter dentaler Tiefbiss | Bei vielen Menschen mit Alignern korrigierbar | Länge der Frontzähne, Höhe der Seitenzähne |
| Ausgeprägter Tiefbiss | Wird mit Aligner, Attachments und gegebenenfalls unterstützenden Methoden geplant | Kieferbeziehung, Zahnfleischlinie |
| Dentaler umgekehrter Biss | Bei manchen Menschen mit Alignern behandelbar | Winkel der Frontzähne, Verzahnungssperre |
| Skelettaler umgekehrter Biss | Der Aligner allein reicht möglicherweise nicht aus | Röntgenbild, Kiefergröße, Wachstumsstand |
Was ist die Unterkiefervorverlagerung?
Bei Situationen vom Typ Klasse II, bei denen der Unterkiefer im Verhältnis zum Oberkiefer zurückliegt, kann die Invisalign-Unterkiefervorverlagerung zum Einsatz kommen. An beiden Seiten des Aligners befinden sich kleine Erhebungen, die den Unterkiefer nach vorn führen. Diese Information wird auf einer eigenen Seite erklärt: Invisalign Unterkiefervorverlagerung. Sie ist nicht bei jedem Tiefbiss nötig.
Wann ist eine zusätzliche Methode nötig?
- Wenn der Unterschied zwischen den Kieferknochen im Gesichtsprofil deutlich sichtbar ist
- Wenn die Frontzähne bereits an ihrer Grenze stehen und sich nicht weiter nach vorn oder hinten bewegen lassen
- Wenn bei Jugendlichen das Kieferwachstum noch andauert, kann zunächst ein auf das Wachstum ausgerichteter Ansatz erwogen werden
- Wenn Kau- oder Kiefergelenkbeschwerden bestehen
Nichts davon schließt Sie aus. Die Ärztin oder der Arzt baut den Plan entsprechend auf und empfiehlt Ihnen bei Bedarf ein Gespräch mit einer anderen Fachärztin oder einem anderen Facharzt.
In welchem Alter und bei wem passt es besser?
Bei Erwachsenen ist das Kieferwachstum abgeschlossen, daher geht es meist darum, die Zähne neu einzuordnen. Bei Jugendlichen berücksichtigt die Ärztin oder der Arzt auch die Kieferentwicklung, solange das Wachstum andauert. Deshalb kann dasselbe Bissproblem bei zwei Personen auf unterschiedlichem Weg gelöst werden. Für Jugendliche schauen Sie auf die Seite Invisalign Teen. Bringen Sie zum Termin ein früheres Röntgenbild mit, falls vorhanden; das erleichtert die Arbeit.
Sprechen wir von Anfang an über die Erwartungen
Aligner verändern die Position der Zähne. Die knöcherne Struktur des Kiefers verändern sie nicht von selbst. Dieser Satz ist sehr kurz, beantwortet aber die meisten Fragen. Das Ziel ist manchmal, den Biss zu entlasten, manchmal, das ästhetische Erscheinungsbild zu korrigieren. Manchmal werden auch Biss und Gesichtsprofil gemeinsam betrachtet. Welches Ergebnis realistisch ist, sagt Ihnen die Ärztin oder der Arzt bei der Untersuchung. Auch die Konsequenz beim Tragen beeinflusst das Ergebnis; der Leitfaden zum Tragen beschreibt den Alltag.
Der erste Schritt ist die kieferorthopädische Untersuchung. Ihr Biss wird angesehen, die nötigen Unterlagen werden erstellt. Zum Ablauf können Sie die Seite zur kieferorthopädischen Untersuchung lesen.
Diese Informationen sind allgemeiner Natur; welche Behandlung für Sie geeignet ist, wird nach der Untersuchung entschieden.
